Agatha Christie oder Spannung in kleinen Stücken

Den Tag, an dem ich Agatha Christies Krimis entdeckte, habe ich nie vergessen. Ich verbrachte damals die Sommerferien bei meinen Großeltern in Würzburg. An einem Regentag blätterte ich aus Langeweile durch die Hörzu, wo ich zufällig auf Miss Marple stieß. Dabei handelte es sich nicht um einen der Filme mit Margaret Rutherford, sondern das erste Kapitel des Krimis ‘Mord im Pfarrhaus’. Ich war begeistert von der alten Dame, die in einem englischen Dorf Verbrechen ermittelte. Ich kam mir mit meinen 14 Jahren plötzlich sehr erwachsen vor, wurde gleichzeitig an meine alten Lieblingsbücher von Enid Blyton erinnert. In den folgenden Ferienwochen wartete ich fiebrig jede Woche auf das nächsten Kapitel des Krimis. Doch die Ferien gingen zu Ende und ich fuhr zurück nach München, ohne alle Folgen gelesen zu haben. Wie nur konnte ich herausfinden, wie es weiterging? Wir hatten keinen Fernseher und kauften deswegen auch keine Hörzu. Mein Vater schlug vor in die Bücherei zu gehen, aber dummerweise hatten sie diesen Titel nicht. Zu meiner Freude fand ich dort allerdings andere Agatha Christie Krimis, die ich der Reihe nach alle auslieh und gierig verschlang. Wie ‘Mord im Pfarrhaus’ endete fand ich erst viele Jahre später heraus.


Außer Krimis von Agatha Christie lernte ich in jenem Sommer erstmals Romane kennen, die Kapitelweise in Zeitschriften oder Zeitungen veröffentlicht wurden. Die Tradition dieser Feuilletonromane war in meiner Kindheit nichts neues, sonder geht zurück ins 19. Jahrhundert. In Wochenjournalen oder monatlichen Zeitschriften wurden Romankapitel abgedruckt, die meist mit einem spannenden Cliffhanger endeten, ähnlich wie die Folgen von Fernsehserien heutzutage. Die Leser warteten fiebrig auf die nächste Episode und die Verleger konnten sicher gehen, ihre Magazine zu verkaufen.


Charles Dickens ‘Pickwick Papers’ erschien in 20 monatlichen Episoden von März 1836 bis Oktober 1837. Erst danach wurde der Roman als Buch veröffentlicht. ‘Oliver Twist’, Dickens zweiter Roman, wurde ebenfalls zuerst in Fortsetzungen herausgegeben. Auch andere Klassiker wie Alexandre Dumas’ Abenteuerroman ‘Die Drei Musketiere’ oder Tolstois ‘Krieg und Frieden’ erschienen Kapitelweise in Zeitschriften bevor sie als Buch erhältlich waren.


In den letzten Jahren versuchten Blogger die Tradition des Feuilletonromans fortzusetzen. Und genau das ist mein Plan für 2020. Ich werde meinen Abenteuerroman ‘Die Küste der Gefahren’ in spannenden Episoden bloggen. Jeden Freitag wird es ein weiteres Kapitel geben. Wie das Buch endet werdet ihr in der 26. Folge erfahren. Wem das zu lange dauert, der hat zudem die Gelegenheit das Buch im Druckformat oder fürs Lesegerät zu kaufen. Das Ende wird daher auf keinen Fall ein Geheimnis bleiben wie mein erster Agatha Christie Krimi damals in Würzburg.


Das Abenteuer beginnt am 10. Januar 2020.

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